Beweg dich! - "Spielen ist der Job der Kinder"

Fotos von Peter Miodek

BewegDich! – „Spielen ist der Job der Kinder“

Dank der Unterstützung der Stiftung Persönlichkeit, der I. K. Hofmann GmbH und der Stadt Nürnberg kommt der Vereinssport über die neuen Initiative „BewegDich!“ der TORNADOS FRANKEN direkt in die Nürnberger Kitas und Grundschulen. Der Nürnberger Sportverein kooperiert dafür mit dem Deutschen Basketballmeister ALBA BERLIN im Rahmen des bundesweiten Programms SPORT VERNETZT.

Die Kinder der Klasse 1g haben erkennbar Spaß. Nach und nach kommen sie in die Turnhalle der Gretel-Bergmann-Grundschule, nutzen die aufgestellten Hütchen, um darüber zu springen oder sie zu umkurven, noch ganz ohne Anleitung. Lehrerin Nathalie Mertel sagt: „Die Kinder brauchen Bewegung. Sie freuen sich jedes Mal auf Marc.“ Marc ist Trainer Marc Kullenberg, der das lebhafte Chaos gemeinsam mit Nathalie Mertel als Tandem steuert.

Kullenberg hat die Nürnberger Initiative „BewegDich!“ ins Leben gerufen und dafür die Position als Geschäftsführer beim TORNADOS FRANKEN e.V., eines Zusammenschlusses von Basketballvereinen zur Förderung des Basketballsports für Kinder und Jugendliche, aufgegeben. „BewegDich!“ ist insofern neu, als es Teil des Kernunterrichts der 1. Klassen und der zugeordneten Kindergärten des Schulsprengels im Norden des Nürnberger Stadtteils Langwasser ist. Es ist Teil des von ALBA BERLIN ins Leben gerufenen bundesweiten Programms „SPORT VERNETZT“ unter Leitung des früheren Basketball-Nationalspielers Henning Harnisch, der heute als Vizepräsident das Nachwuchsprogramm des Hauptstadtclubs verantwortet. 

Kurz nach Schuljahresbeginn hat Kullenberg eine Fortbildung für die Lehrer*innen der Schule und Erzieher*innen aus den beteiligten Kindergärten organisiert. Dafür konnte er Jürgen Maaßmann gewinnen, Sportwissenschaftler an der Universität Heidelberg, mittlerweile auch Fortbildungsleiter bei ALBA BERLIN und ausgewiesener Experte für Kindersport. Und Maaßmann setzt gleich mit seiner Einführung intensive Denkprozesse in Gang. Von „Mut zum Chaos“ spricht er und vom Ziel einer „Mitspielfähigkeit der Kinder“. Wie das konkret aussieht, zeigt er in der vierstündigen Veranstaltung anhand diverser praktischer Beispiele. Die bei ihm ganz spielerisch aussehen, fast ohne Vorgaben. Man solle die Kinder nicht bremsen, sondern machen lassen. Was, wie er zugesteht, „das Allerschwierigste ist“.

Maaßmann führt die Teilnehmer*innen spielerisch vom Rollerfässchen zur Rückwärtsrolle oder vom Hüpfen zur Flugrolle oder gar dem Salto, quasi ohne dass sie es so richtig merken. Über Bewegung und Wiederholung vom Einfachen zum Anspruchsvollen, das ist Teil seines Anspruchs. Damit will er erreichen, dass die Kinder lernen, sich koordiniert zu bewegen. „Bei Kindern trainiere ich nur die Neurogenese. Muskeln wachsen bei ihnen noch nicht, sie reifen“, sagt er. Grundsätzlich geht es bei ihm bei solchen Fortbildungen darum, Angst zu nehmen, und zwar den Kindern und den Lehrkräften.

Die Teilnehmer*innen sind angetan. Heidrun Wywiol mag das Motto „Mut zum Chaos“: „Wir haben in der Schule viel zu viele Sorgen wegen möglicher Unfälle. Jürgen Maaßmann hat mir Einiges davon genommen. Damit kann ich den Kindern die Sicherheit geben, die Vertrauen bewirkt.“ Stefanie Bienias findet diese Herangehensweise „gut für das Selbstbewusstsein“ und glaubt, dass die Kinder auch mehr Sozialkompetenz erwerben. Sie ist beeindruckt, „mit wie wenig Dingen man ganz tolle Sachen machen kann“. Birgit Krahmer findet besonders „die vielen verschiedenen Kombinationen und die Koordinationsgeschichten“ bemerkenswert.

Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung in der Schule zeigten sich die beiden Hauptsponsoren, Frau Sonja Heinrich von der I. K. Hofmann GmbH (Stadtteilpatin Nürnberg/Langwasser) und das Ehepaar Gierse von der Stiftung Persönlichkeit, sehr zufrieden mit dem Anlauf der Initiative. Elisabeth Ries, die das Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg leitet, verwies darauf, dass gerade in sozial herausfordernden Stadtteilen der Bedarf für ein solches Angebot groß ist. Nicht zuletzt deshalb unterstützt auch die Stadt das Projekt finanziell. Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König betont: „Regelmäßiger Sport ist gesund – das merken wir spätestens im Erwachsenenalter sehr deutlich. Um sportliche Erwachsene zu bekommen, muss man bereits im Kindesalter anfangen, die Kinder an Sport und Bewegung heranzuführen. Das Projekt ‚BewegDich!‘ hilft bei diesem Ziel und wird von den Kindern begeistert angenommen. Daher freue ich mich, dass es Menschen und Organisationen gibt, die – gemeinsam mit der Stadt – solche Projekte voranbringen.“ 

ALBAs Vizepräsident Henning Harnisch, der aus Berlin angereist war, unterstrich die Bedeutung des Netzwerks und skizzierte die Vision, mit vielen weiteren bundesweiten Kooperationen im Rahmen von SPORT VERNETZT eine neue Bewegung zu formen, um die Sportkultur im Land nachhaltig zu verändern. Rektorin Sandra Lichtenstein sagte zur Umsetzung an ihrer Schule: „Im Tandem von Profi und Lehrkraft sind Dinge möglich, die sonst nicht gehen würden.“ Der Profi könne sich auf die Sache konzentrieren und so die Kinder fesseln, die Lehrkraft sehr viel zum Thema Sportunterricht lernen. Umgekehrt lernt auch der Profi zu pädagogischen Themen von Lehrer*in oder Erzieher*in.

Zurück zum Unterricht: Auch heute lassen sich die Kinder der 1g gerne von ihrem Marc und Nathalie Mertel einfangen, hören konzentriert zu. In der Ausführung kommt es beiden nicht auf Perfektion an, sondern darauf, dass die Kinder sich an der Bewegung erfreuen. Dennoch baut Kullenberg nach jeder Aufgabe eine Phase der Reflexion ein, in der sich die Kinder mit seinen gezielten Fragen auseinandersetzen.

Wie kommt das bei den Kindern an? Paulina ist sehr zufrieden und sagt: „Ich freue mich, dass wir nach dem Vormittag rumrennen dürfen. Und weil wir so tolle Spiele machen.“ Konrad genießt „das Spielen mit den anderen. Der große Marc ist toll, weil er so gut mit uns Sport macht.“ Lehrerin Mertel genießt die Zusammenarbeit ebenfalls: „Das ist eine echte Bereicherung, weil Marc viele neue Ideen reinbringt. Die Kinder dürfen sich bewegen, können sich selber einbringen und reflektieren. Das ist das Motto ‚Mut zum Chaos‘ erfolgreich umgesetzt.“

Im Podcast mit Mark Derbacher berichtet Marc Kullenberg über die Entwicklung von der Idee bis zum konkreten Unterricht im Tandem, welches Konzept hinter der Arbeit steckt, und sagt unter anderem: „Spielen ist der Job der Kinder.“ Reinhören lohnt sich!

Auch diese Initiative steht und fällt mit der Finanzierung. Kullenberg und alle Beteiligten freuen sich auf jeden weiteren Sponsor, der zur Verstetigung des so erfolgreich angelaufenen Projekts über das Schuljahresende hinaus beitragen will.

Autor: Mark Derbacher

 

 

Wöchentliche – für die Bildungsinstitutionen kostenlose – Sporteinheiten:

  • 7 Gruppen aus 3 Kitas im Schulsprengel der Gretel-Bergmann-Schule
  • 5 Doppelstunden Sportunterricht der 1. Klassen
  • 2 Doppelstunden Sportunterricht der Deutschklassen
  • 2 Deutschklassen-Sport-AGs und
  • 2 Basketball-Sport-AGs im außerunterrichtlichen Bereich

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